Krankheitsbild

Hüftgelenksdysplasie (HD) beim Hund

Ein HD-Befund im Röntgenbild sagt noch nicht, wie es deinem Hund geht. Entscheidend ist, was die Muskulatur leisten kann.

Auch bekannt als: HD · Hüftdysplasie · Coxarthrose · Hüftgelenksdysplasie

Typische Anzeichen

Erkennst du deinen Hund hier wieder? Diese Beobachtungen kommen bei diesem Krankheitsbild häufig vor – sie ersetzen keine Diagnose, helfen dir aber im Gespräch mit der Tierarztpraxis.

  • Schwankender, wiegender Gang der Hinterhand
  • Beide Hinterbeine springen beim Laufen gleichzeitig ab („Hasenhoppeln")
  • Schwierigkeiten beim Aufstehen aus dem Liegen
  • Schmale, wenig bemuskelte Oberschenkel
  • Vorderhand wirkt kräftiger als die Hinterhand
  • Unlust bei Treppen und beim Sprung ins Auto

Bei einer Hüftgelenksdysplasie passen Gelenkkopf und Gelenkpfanne nicht optimal zusammen. Die Pfanne ist flacher als sie sein sollte, der Kopf sitzt weniger stabil darin. Statt sauber geführt zu werden, hat das Gelenk Spiel.

Besonders häufig betroffen sind große, schnell wachsende Rassen – etwa der Deutsche Schäferhund, der Labrador Retriever, der Golden Retriever und der Rottweiler. Das heißt nicht, dass jeder Hund dieser Rassen betroffen ist – nur, dass sich ein Blick darauf lohnt.

Warum das Röntgenbild nicht alles sagt

Der HD-Grad wird am Röntgenbild bestimmt. Er beschreibt die Form des Gelenks – nicht die Beschwerden. In der Praxis sieht man beides: Hunde mit deutlichem Befund, die sich gut bewegen, und Hunde mit leichtem Befund, die erkennbar Probleme haben.

Der Grund liegt in der Muskulatur. Ein Gelenk, das anatomisch nicht optimal geführt wird, kann durch kräftige, gut koordinierte Muskeln erheblich stabilisiert werden. Fehlt diese Muskulatur, muss die Gelenkkapsel die Arbeit übernehmen – und die reagiert darauf mit Reizung und Verdickung.

Deshalb ist die Muskulatur der wichtigste Hebel, den wir überhaupt haben.

Der Kreislauf, der sich einstellt

Bewegung tut weh, also bewegt sich der Hund weniger. Weniger Bewegung heißt weniger Muskulatur an der Hinterhand. Weniger Muskulatur heißt schlechtere Gelenkführung – und mehr Schmerz.

Gleichzeitig verlagert der Hund Gewicht nach vorne. Die Vorderhand und der Rücken übernehmen, was die Hinterhand nicht mehr trägt. Viele Hunde mit HD haben deshalb zusätzlich deutliche Verspannungen im Bereich der Lendenwirbelsäule und der Schulter.

Wenn ich einen Hund mit HD das erste Mal sehe, schaue ich mir genau diese Verteilung an: Was trägt noch, was hat sich schon verabschiedet, wo wird kompensiert.

Wie ich Hunde mit HD begleite

Der Schwerpunkt liegt auf gezieltem Muskelaufbau an der Hinterhand – aber dosiert. Ein Hund mit HD verträgt keine Trainingseinheiten nach dem Motto „viel hilft viel“. Es geht um saubere, langsame Bewegungen, bei denen die richtige Muskulatur arbeitet.

Gerätetraining mit Cavaletti-Stangen und wechselnden Untergründen ist dafür besonders geeignet: Der Hund muss die Hinterhand bewusst anheben und setzen, statt sie mitzuschleifen.

Parallel arbeite ich an dem, was die Kompensation angerichtet hat – die verspannte Rückenmuskulatur, die überarbeitete Vorderhand. Über Massage und Mobilisierung lässt sich hier oft schneller etwas erreichen als am Hüftgelenk selbst.

Bei vielen Hunden entwickelt sich im Verlauf zusätzlich eine Arthrose im Hüftgelenk. Die Grundsätze der Begleitung bleiben dieselben.

Beim jungen Hund

Wird HD früh festgestellt, ist der Umgang mit Belastung besonders wichtig. Wachsende Gelenke reagieren empfindlich auf zu viel und auf das Falsche – langes Rennen am Rad, wilde Sprünge, Treppen. Hier kann eine Beratung darüber, wie Bewegung im ersten Lebensjahr aussehen sollte, viel bewirken.

Was du selbst tun kannst

  • Gleichmäßige Bewegung. Regelmäßige, moderate Runden auf weichem Boden statt Wochenendtouren.
  • Bergauf statt bergab. Sanfte Steigungen fordern die Hinterhand, ohne sie zu stauchen.
  • Sprünge vermeiden. Autorampe, keine Sprünge vom Sofa.
  • Schlank halten. Übergewicht wirkt sich bei HD besonders stark aus.
  • Rutschfeste Böden. Wegrutschende Hinterbeine sind bei HD ein Dauerthema.

Wichtig

Die Diagnose und Beurteilung des HD-Grades erfolgt tierärztlich. Ob und wann eine Operation sinnvoll ist, ebenfalls. Physiotherapie ergänzt diese Behandlung und ersetzt sie nicht.

Bild folgt

Großer Hund von hinten im Stand auf einer Wiese, Blick auf die Hinterhand und Hüftpartie, Morgenlicht

Im Glossar nachschlagen

Diese Begriffe tauchen bei diesem Krankheitsbild in Befunden und Therapieplänen auf. Im Glossar stehen sie ausführlich.

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