Wissenswertes

Glossar der Hundephysiotherapie

Was in Befunden und Therapieplänen steht – in normalen Worten, mit dem Bezug zum Alltag deines Hundes.

Befunde und Therapiepläne sind oft in einer Sprache geschrieben, die für Fachleute gedacht ist. Hier stehen die Begriffe, die mir dabei am häufigsten begegnen – jeweils zuerst in einem Satz, dann mit dem, was er für deinen Hund bedeutet.

A

Achillessehne

Die Achillessehne verbindet die Wadenmuskulatur mit dem Fersenbein und hält beim Hund das Sprunggelenk aufrecht.

Sie ist die kräftigste Sehne im Hundekörper – und trotzdem verletzungsanfällig, weil bei jedem Absprung ein Vielfaches des Körpergewichts darüber läuft.

Das auffälligste Zeichen ist der durchgetretene Stand: Das Sprunggelenk sinkt ab, der Hund fußt mit der ganzen Hinterpfote auf statt nur mit den Zehen. Bei einem vollständigen Riss ist das sofort sichtbar. Häufiger sind aber Teilverletzungen und schleichende Überlastungen, bei denen die Sehne über Wochen verdickt und der Gang zunehmend unrund wird.

Betroffen sind besonders sportlich geführte Hunde und größere Rassen, oft nach einem einzelnen Fehltritt oder einer Landung aus dem Sprung.

Ein Verdacht gehört unverzüglich in die Tierarztpraxis. Ob genäht, geschient oder konservativ behandelt wird, entscheidet der Befund – und danach richtet sich auch alles Weitere. Physiotherapie beginnt hier immer nach ärztlicher Freigabe und folgt einem festen Stufenplan, weil Sehnengewebe langsam heilt und verfrühte Belastung den Erfolg zunichtemacht.

Anamnese

Die Anamnese ist das Gespräch über die Vorgeschichte – was war, seit wann, und was hat sich verändert.

Sie steht am Anfang der Erstbehandlung und ist kein Formalismus. Vieles, was am Hund nicht zu sehen ist, kommt nur hier zur Sprache: dass er seit dem Frühjahr nicht mehr aufs Sofa springt, dass er nach dem Spaziergang lahmt und nicht währenddessen, dass er im Auto anders steht als früher.

Nützlich sind vor allem drei Sorten Angaben. Zeitverlauf – plötzlich oder schleichend, besser oder schlechter werdend. Auslöser – nach Belastung, nach Ruhe, bei Kälte. Und Alltag – Bodenbeläge, Treppen, Sprünge ins Auto, Länge und Art der Runden.

Wenn ein Befund vom Tierarzt vorliegt, bring ihn mit. Röntgenbilder, OP-Berichte und Medikamentenpläne ändern, wie ich behandle – und was ich besser lasse.

Arthrose

Arthrose ist der dauerhafte Verschleiß eines Gelenks: Der Knorpel wird dünner, der Knochen reagiert mit Zubildungen, das Gelenk verliert an Beweglichkeit.

Sie ist die häufigste Ursache für Bewegungsunlust bei älteren Hunden – und sie beginnt lange, bevor jemand eine Lahmheit sieht. Typisch sind der schwerfällige Start nach dem Liegen, das Zögern vor dem Autoeinstieg und kürzer werdende Runden aus eigenem Antrieb.

Im Befund taucht sie unter verschiedenen Namen auf, je nach Gelenk: Coxarthrose an der Hüfte, Spondylarthrose an den kleinen Wirbelgelenken. Gemeint ist jeweils dasselbe Grundgeschehen.

Rückgängig machen lässt sich der Verschleiß nicht. Beeinflussen lässt sich alles drumherum, und das ist mehr, als es klingt: Muskulatur, die das Gelenk führt und entlastet, erhaltene Beweglichkeit, ein Gewicht, das nicht zusätzlich drückt, und ein Alltag ohne die Belastungsspitzen, die Schübe auslösen.

Wichtig für die Einordnung: Arthrose im Röntgenbild und Beschwerden hängen nur lose zusammen. Es gibt Hunde mit deutlichem Befund, die gut laufen – und umgekehrt.

Ataxie

Ataxie bezeichnet einen unkoordinierten Bewegungsablauf, bei dem die Kraft erhalten ist, aber die Steuerung nicht mehr stimmt.

Der Unterschied zur Lähmung ist wichtig: Ein ataktischer Hund kann sein Bein bewegen, er trifft nur nicht, wohin er will. Das sieht aus wie Torkeln, Übertreten oder ein auffällig breitbeiniger Stand.

Die Tiermedizin unterscheidet drei Formen nach dem Ort der Störung. Bei der propriozeptiven Ataxie kommt die Rückmeldung aus den Gliedmaßen nicht sauber im Rückenmark an – typisch nach Bandscheibenvorfällen. Die vestibuläre Ataxie betrifft das Gleichgewichtsorgan; hier kippt der Kopf oft zur Seite. Die zerebelläre Ataxie geht vom Kleinhirn aus und zeigt sich in überschießenden, staksigen Bewegungen.

Für dich im Alltag: Wenn dein Hund plötzlich schwankt, die Pfoten schleift oder beim Stehen die Beine ungewöhnlich weit auseinandersetzt, gehört das zeitnah in die Tierarztpraxis. Ataxie ist ein Symptom, keine Diagnose – und die Ursachen reichen von harmlos bis dringend.

In der physiotherapeutischen Begleitung geht es danach darum, die Ansteuerung wieder zu üben: langsames, bewusstes Gehen, wechselnde Untergründe, gezielte Reize an den Pfoten.

B

Bandscheibenerkrankungen

Bandscheibenvorfälle betreffen beim Hund nicht nur die Lende – an Hals und Brustwirbelsäule zeigen sie sich mit deutlich anderen Anzeichen.

An der Halswirbelsäule steht der Schmerz im Vordergrund, oft ohne jede Lähmung. Typisch ist ein Hund, der den Kopf tief und steif trägt, sich nicht mehr putzen mag, beim Anheben des Kopfes jault oder plötzlich nicht mehr aus dem Napf fressen will. Manche zittern und wirken, als hätten sie Bauchschmerzen. Weil das Rückenmark hier am meisten Platz hat, kommt es seltener zu Ausfällen – dafür sind die Schmerzen häufig heftig.

Die Brustwirbelsäule ist im vorderen Abschnitt durch ein zusätzliches Band zwischen den Rippenköpfchen geschützt. Vorfälle treten deshalb vor allem am Übergang zur Lende auf und äußern sich dann wie ein klassischer Bandscheibenvorfall: unsicherer Gang, schleifende Hinterpfoten, im schweren Fall Lähmung.

Unterschieden wird außerdem zwischen einem plötzlichen Vorfall von Bandscheibenmaterial (Hansen Typ I, häufig bei Dackel, Französischer Bulldogge und Beagle) und einer langsamen Vorwölbung (Typ II, eher bei großen Rassen im mittleren Alter).

Immer zuerst in die Tierarztpraxis. Halswirbelsäulenschmerz kann sich rasch verschlechtern, und ob konservativ behandelt oder operiert wird, entscheidet sich oft in Stunden. Physiotherapie schließt sich an – nie davor.

Bildgebung (Röntgen, CT, MRT)

Bildgebung sind die Verfahren, mit denen die Tiermedizin ins Innere schaut – vom Röntgenbild bis zum MRT.

Die drei Verfahren zeigen Unterschiedliches, und das erklärt, warum manchmal eines nicht reicht. Röntgen stellt Knochen dar: Brüche, Gelenkspalten, Zubildungen bei Arthrose oder Spondylose. Weichteile bleiben blass. CT ist im Grunde eine Röntgenaufnahme in Schichten und zeigt knöcherne Strukturen räumlich – gut bei komplizierten Brüchen und bei Fragen zur Wirbelsäule. MRT arbeitet ohne Röntgenstrahlen und ist das Mittel der Wahl für Rückenmark, Bandscheiben, Muskeln und Sehnen.

Für Physiotherapie ist wichtig: Ein Bild zeigt Struktur, nicht Schmerz. Es gibt Hunde mit deutlicher Arthrose im Röntgen, die gut laufen – und Hunde mit unauffälligem Bild, die erkennbar leiden. Deshalb ersetzt keine Aufnahme das Anschauen und Abtasten, und umgekehrt ersetzt meine Untersuchung keine Diagnostik.

CT und MRT laufen beim Hund in Narkose ab, weil er still liegen muss. Das ist ein Grund, sie nicht leichtfertig zu verlangen – und ein Grund, die Aufnahmen aufzuheben, wenn sie einmal gemacht wurden.

Bizepssehne

Die Bizepssehne läuft durch eine Rinne am Schulterblatt und ist eine der häufigsten Ursachen für Lahmheit an der Vorderhand.

Sie führt durch eine enge knöcherne Rinne, wird dort bei jedem Schritt umgelenkt und reibt entsprechend. Chronische Reizungen entstehen daraus fast zwangsläufig, wenn ein Hund über längere Zeit falsch belastet – etwa nach einer Verletzung auf der Gegenseite oder bei sehr sprungintensiver Beschäftigung.

Woran du es bemerkst: Die Lahmheit ist nach Ruhe am deutlichsten und läuft sich teilweise raus. Der Hund verkürzt den Schritt vorne, mag ungern aus dem Auto springen und zögert bei Treppen abwärts. Beim Strecken des Schultergelenks nach vorn zeigt er Unbehagen.

Verwechselt wird das häufig mit einem Ellenbogenproblem, weil der Hund dieselbe Gliedmaße entlastet. Die Unterscheidung gehört in die Tierarztpraxis – Ultraschall oder bildgebende Verfahren bringen Klarheit.

In der Begleitung stehen danach Entlastung der überarbeiteten Schultermuskulatur, vorsichtige Mobilisation und ein sehr behutsamer Belastungsaufbau im Vordergrund. Sehnen brauchen Geduld: Wochen, nicht Tage.

C

Cauda equina

Cauda equina heißt „Pferdeschweif" und bezeichnet das Nervenbündel am Ende des Rückenmarks, das die Hinterhand, den Schwanz und die Blase versorgt.

Das Rückenmark endet beim Hund etwa in Höhe der Lende. Weiter hinten laufen nur noch die einzelnen Nervenwurzeln – und dieses Bündel sieht aus wie ein Pferdeschweif.

Wird es am Übergang zwischen Lende und Kreuzbein eingeengt, spricht man vom Cauda-equina-Syndrom oder von der degenerativen lumbosakralen Stenose (DLSS). Typisch sind Schmerzen beim Aufstehen, Zögern beim Springen, ein Hund, der nicht mehr gern sitzt, sowie später Schwanz- und in schweren Fällen Blasenprobleme.

Weil die Beschwerden aus derselben Körperregion kommen wie Hüftprobleme, werden beide leicht verwechselt. Die Unterscheidung gehört in die Tierarztpraxis.

Chondrodystrophie

Chondrodystrophie bezeichnet den erblich kurzbeinigen Körperbau, bei dem die langen Knochen früher aufhören zu wachsen als bei anderen Hunden.

Betroffen sind Rassen wie Dackel, Französische Bulldogge, Beagle, Basset, Pekinese oder Shih Tzu. Der Körperbau ist gewollt und für sich genommen keine Krankheit.

Er hat aber eine Folge, die in Befunden immer wieder auftaucht: Bei diesen Rassen verändern sich die Bandscheiben deutlich früher. Der weiche Kern trocknet aus und verkalkt schon im jungen Erwachsenenalter, was das Risiko für einen Bandscheibenvorfall vom Typ I – die plötzliche Extrusion – erhöht. Deshalb steht bei einem lahmenden Dackel der Rücken schneller im Verdacht als bei einem Schäferhund.

Im Alltag heißt das nicht Watte, sondern Augenmaß: Treppen und Sprünge vom Sofa oder aus dem Auto sind die Belastungen, die sich am leichtesten vermeiden lassen. Eine kräftige Rumpfmuskulatur trägt die Wirbelsäule mit – genau daran lässt sich arbeiten.

D

Degeneration

Degeneration heißt im Befund schlicht: Gewebe hat sich über die Zeit verändert und abgenutzt – nicht entzündet, nicht gerissen, sondern verschlissen.

Das Wort steht in Befunden oft neben Gelenken („degenerative Gelenkerkrankung" für Arthrose), Bandscheiben („degenerative Bandscheibenveränderung") oder der Wirbelsäule.

Zwei Dinge sind daran wichtig. Erstens: Degeneration ist normal und beginnt früher, als die meisten denken – nicht jede Veränderung im Röntgenbild macht Beschwerden. Zweitens: Sie lässt sich nicht rückgängig machen. Was sich beeinflussen lässt, ist alles drumherum – Muskulatur, Beweglichkeit, Gewicht, Belastungsverteilung. Genau dort setzt Physiotherapie an.

Wenn im Befund „degenerativ" steht, ist das also weder ein Todesurteil noch eine Belanglosigkeit. Es ist die Beschreibung eines Zustands, mit dem man arbeiten kann.

Degenerative Myelopathie (DM)

Die degenerative Myelopathie ist eine langsam fortschreitende Erkrankung des Rückenmarks, die schmerzlos beginnt und die Hinterhand zunehmend unsicher macht.

Sie tritt meist bei älteren Hunden großer Rassen auf, besonders bekannt beim Deutschen Schäferhund. Eine Veränderung im Gen SOD1 gilt als wesentlicher Risikofaktor und lässt sich testen – ein positiver Test bedeutet allerdings nicht zwingend, dass ein Hund erkrankt.

Der Verlauf beginnt unauffällig: Die Hinterpfoten werden beim Gehen nachgeschleift, die Krallen nutzen sich einseitig ab, der Hund überkötet. Später kommen Unsicherheit im Stand und Wegknicken dazu. Schmerzen gehören typischerweise nicht dazu – und genau das unterscheidet sie im ersten Eindruck von Arthrose oder einem Bandscheibenvorfall, weshalb die Abgrenzung in die Tierarztpraxis gehört.

Heilbar ist die Erkrankung nicht. Was Physiotherapie leisten kann, ist begrenzt und trotzdem nicht wenig: Muskulatur so lange wie möglich erhalten, die Koordination üben, Ausweichbewegungen bremsen, bevor sie zu Folgebeschwerden führen, und den Alltag anpassen – Bodenbeläge, Rampen, Pfotenschutz gegen das Schleifen.

Ehrlich dazu gehört: Der Verlauf lässt sich nicht aufhalten. Wer etwas anderes verspricht, verspricht zu viel.

Dekubitus

Ein Dekubitus ist eine Druckstelle, die entsteht, wenn ein Hund lange auf derselben Körperstelle liegt und die Haut dort nicht mehr ausreichend durchblutet wird.

Gefährdet sind vor allem Hunde, die sich nicht mehr allein umlagern können – nach einer Operation, bei Lähmungen, im hohen Alter. Betroffen sind die knochennahen Stellen: Ellenbogen, Hüfthöcker, Sprunggelenk, Schulter.

Erkennbar ist der Anfang an einer haarlosen, geröteten oder verdickten Stelle. Wird nichts geändert, öffnet sich die Haut – und eine offene Wunde an einer Druckstelle heilt schlecht, weil genau dort weiter Druck lastet.

Vorbeugen ist unspektakulär und wirksam: regelmäßig umlagern (Faustregel alle zwei bis drei Stunden bei Hunden, die es nicht selbst können), eine ausreichend dicke, druckverteilende Unterlage statt einer dünnen Decke auf hartem Boden, und die gefährdeten Stellen täglich ansehen.

Wenn die Haut schon offen ist, gehört das in tierärztliche Behandlung – nicht in meine.

E

Ellenbogendysplasie (ED)

Ellenbogendysplasie ist ein Sammelbegriff für mehrere Entwicklungsstörungen im Ellenbogengelenk, die beim jungen Hund entstehen und später in Arthrose münden.

Dahinter stecken verschiedene Einzelbefunde – ein fragmentierter Kronfortsatz, ein nicht verknöcherter Processus anconaeus, eine Knorpelablösung oder eine Stufenbildung zwischen Elle und Speiche. Gemeinsam ist ihnen, dass die Gelenkflächen nicht sauber aufeinanderpassen.

Erste Anzeichen zeigen sich oft schon im ersten Lebensjahr: Lahmheit nach Belastung, ein nach außen gedrehter Unterarm, Zögern beim Aufstehen.

Ernährung und Gewicht

Das Körpergewicht ist der am besten belegte und zugleich am leichtesten beeinflussbare Faktor bei Gelenkerkrankungen.

Jedes Kilogramm zu viel wirkt an Hüfte, Knie und Ellenbogen als Hebel – und zwar bei jedem einzelnen Schritt. Bei einem Hund mit Arthrose ist Gewichtsreduktion damit oft die Maßnahme mit dem größten Effekt, noch vor jeder Behandlung.

Fettgewebe ist außerdem nicht nur Ballast. Es ist stoffwechselaktiv und beteiligt sich an Entzündungsvorgängen im Körper. Ein übergewichtiger Hund hat dadurch nicht nur mehr Last auf den Gelenken, sondern auch ein ungünstigeres Umfeld für entzündliche Prozesse.

Selbst einschätzen kannst du das über den Body Condition Score: Die Rippen sollten unter leichtem Fingerdruck fühlbar sein, ohne dass man sie sieht. Von oben betrachtet hat der Hund eine erkennbare Taille, von der Seite eine aufgezogene Bauchlinie. Fehlt beides, ist Gewicht im Spiel.

Wichtig zur Abgrenzung: Ich bin keine Ernährungsberaterin und stelle keine Rationen auf. Futtermenge, Zusammensetzung und mögliche Ergänzungen gehören in die Tierarztpraxis oder zu einer Fachperson für Tierernährung. Was ich beitrage, ist die Bewegungsseite – und die Beobachtung, dass Aufbautraining bei einem zu schweren Hund deutlich langsamer greift.

Extrusion und Protrusion

Extrusion und Protrusion sind die zwei Arten, auf die eine Bandscheibe auf das Rückenmark drücken kann – plötzlich ausgetreten oder langsam vorgewölbt.

Bei der Extrusion (Typ I) reißt der äußere Faserring, und Kern-Material tritt schlagartig in den Wirbelkanal aus. Das passiert typischerweise bei jüngeren Hunden chondrodystropher Rassen und macht sich von einer Minute auf die andere bemerkbar: Schmerz, Zittern, plötzliche Schwäche oder Lähmung der Hinterhand. Das ist ein Notfall.

Bei der Protrusion (Typ II) reißt nichts. Der Faserring wölbt sich über Monate langsam vor und drückt zunehmend auf das Rückenmark. Betroffen sind eher ältere, größere Hunde. Die Beschwerden kommen schleichend – erst Steifheit, dann unsicherer Gang, später Ausfälle.

Für die Behandlung macht der Unterschied viel aus. Die Extrusion ist oft ein Fall für die Chirurgie und danach für konsequente Reha. Bei der Protrusion steht meist die konservative Begleitung im Vordergrund: Muskulatur aufbauen, die Wirbelsäule entlasten, Belastungsspitzen aus dem Alltag nehmen.

Welche Form vorliegt, entscheidet sich nicht am Verhalten, sondern in der Bildgebung. Beides zusammen kann übrigens auch vorkommen.

F

Faszien

Faszien sind die bindegewebigen Hüllen, die jeden Muskel, jedes Organ und jedes Gelenk umschließen und den Körper zu einem zusammenhängenden Netz verbinden.

Lange galten sie als Verpackungsmaterial, das man beim Präparieren wegschneidet. Heute weiß man: Faszien übertragen Kraft, sie sind dicht mit Nerven besetzt, und sie verbinden Körperregionen, die anatomisch weit auseinanderliegen. Deshalb kann eine Einschränkung im Becken sich in der Schulter bemerkbar machen.

Gesundes Fasziengewebe gleitet. Die einzelnen Schichten verschieben sich gegeneinander, wenn sich der Hund bewegt. Bei dauerhafter Schonhaltung, nach Verletzungen oder bei wenig Bewegung verkleben diese Schichten – die Fachsprache nennt das Adhäsion. Das Gewebe wird zäher, der Bewegungsspielraum kleiner, und weil so viele Nerven darin sitzen, ist es häufig auch empfindlich.

Am Hund zeigt sich das oft subtil: Die Haut lässt sich an einer Stelle schlechter abheben als daneben, der Hund zuckt beim Streicheln, oder ein Bereich fühlt sich fester an als die Gegenseite.

Flexorreflex

Der Flexorreflex ist der Beugereflex: Auf einen Reiz an der Pfote zieht der Hund das Bein an – ohne dass er darüber nachdenkt.

Geprüft wird er in der neurologischen Untersuchung, indem zwischen den Zehen leicht gekniffen wird. Zieht der Hund das Bein zurück, funktioniert die Verschaltung zwischen Nerv, Rückenmark und Muskel auf dieser Höhe.

Wichtig ist die Unterscheidung, die dabei oft untergeht: Der Reflex läuft im Rückenmark ab und sagt nichts darüber aus, ob der Hund den Reiz auch spürt. Ein Bein kann sich reflexhaft zurückziehen, während die Meldung im Gehirn nie ankommt. Deshalb prüft die Tierarztpraxis zusätzlich die bewusste Schmerzwahrnehmung – und genau die ist die entscheidende Größe für die Prognose nach einem Bandscheibenvorfall.

In einem Befund steht dazu häufig „Flexorreflex ungestört" oder „abgeschwächt". Ersteres heißt, dass der zuständige Rückenmarksabschnitt arbeitet.

G

Ganganalyse

Die Ganganalyse ist die systematische Beurteilung des Bewegungsablaufs – im Stand, im Schritt und, wenn es der Zustand erlaubt, im Trab.

Sie steht bei mir am Anfang jeder Erstbehandlung, und zwar vor dem Abtasten. Der Grund: Ein Hund, der schon angefasst wurde, bewegt sich anders. Was ich unbeeinflusst sehe, ist aussagekräftiger.

Angeschaut wird mehr, als die meisten vermuten. Die Schrittlänge links gegen rechts. Ob der Kopf nickt – bei Vorderhandlahmheiten hebt er sich, wenn das schmerzende Bein auftritt. Wie der Hund die Pfoten aufsetzt, ob er sie schleift oder überkötet. Die Spurbreite der Hinterhand: eng beieinander deutet auf Instabilität hin. Und der Übergang zwischen Liegen, Sitzen und Stehen, weil sich dort Einschränkungen zeigen, die im Laufen verschwinden.

Warum meist im Schritt und nicht im Trab: Im Schritt setzt der Hund jede Pfote einzeln und kann viel schlechter kompensieren. Im Trab gleicht der schnellere Ablauf vieles aus – kleinere Auffälligkeiten verschwinden dann.

Für dich zuhause taugt schon ein kurzes Video etwas: zwanzig Sekunden im Schritt, einmal von hinten und einmal von der Seite, auf ebenem Untergrund. Das ist für jede Untersuchung wertvoller als eine Beschreibung – gerade weil manche Auffälligkeit in fremder Umgebung verschwindet.

H

Hundesport

Hundesport belastet Gelenke, Sehnen und Muskulatur weit über das Alltagsmaß hinaus – und braucht deshalb dieselbe Vor- und Nachbereitung wie menschlicher Sport.

Agility ist dabei die anspruchsvollste Disziplin: enge Wendungen, abrupte Richtungswechsel und Landungen aus dem Sprung wirken vor allem auf Schultern, Zehen und die Lendenwirbelsäule. Beim Mantrailing dagegen läuft der Hund lange in tiefer Kopfhaltung – eine ganz andere, aber ebenfalls dauerhafte Belastung für Hals und Vorderhand.

Aufwärmen wird fast überall übersprungen. Fünf bis zehn Minuten zügiges Gehen und ein paar lockere Richtungswechsel vor dem Start senken das Verletzungsrisiko messbar. Kalte Muskulatur reißt leichter – beim Hund wie beim Menschen.

Genauso wichtig ist das Abwärmen: Wer nach dem Lauf direkt ins Auto steigt, lässt die Muskulatur in Anspannung erkalten. Ein paar Minuten ruhiges Gehen danach machen einen spürbaren Unterschied am Folgetag.

Aus physiotherapeutischer Sicht lohnt sich bei Sporthunden vor allem der regelmäßige Blick auf Symmetrie. Fast jeder Hund hat eine bevorzugte Wendeseite, und über eine Saison entsteht daraus ein Ungleichgewicht, das lange unauffällig bleibt – bis es sich als Lahmheit meldet.

Für die Belastungsplanung gilt derselbe Grundsatz wie im Training: Der Folgetag zeigt, ob die Dosis gestimmt hat.

Hypermetrie

Hypermetrie beschreibt einen Gang, bei dem die Beine höher und weiter angehoben werden als nötig – die Bewegung schießt über ihr Ziel hinaus.

Es sieht aus, als würde der Hund über unsichtbare Hindernisse steigen. In Befunden steht dafür manchmal auch „Storchengang".

Die Ursache liegt in der Steuerung, nicht in der Kraft: Dem Hund fehlt die Rückmeldung darüber, wo sein Bein gerade ist. Typisch ist das bei Störungen im Kleinhirn, kommt aber auch bei anderen neurologischen Ursachen vor. Verwandt ist es mit der Ataxie – Hypermetrie ist eine ihrer Erscheinungsformen.

Wenn das neu auftritt, gehört es abgeklärt. In der Begleitung danach geht es um dasselbe wie bei jeder Koordinationsstörung: langsame, bewusste Bewegung statt Tempo, wechselnde Untergründe, gezielte Reize an den Pfoten.

I

Intrakranieller Infarkt

Ein intrakranieller Infarkt ist ein Gefäßverschluss im Gehirn – der Bereich dahinter wird nicht mehr durchblutet und fällt aus.

Es ist der Fachbegriff für das, was umgangssprachlich Schlaganfall heißt. „Intrakraniell" meint schlicht „innerhalb des Schädels".

Die Anzeichen hängen davon ab, welcher Bereich betroffen ist: Kopfschiefhaltung, Kreislaufen, Gleichgewichtsverlust, plötzliche Blindheit, Wesensveränderung oder Ausfälle auf einer Körperseite. Der Beginn ist typischerweise schlagartig – das unterscheidet ihn von langsam fortschreitenden Erkrankungen.

Zu verwechseln ist er leicht mit dem vestibulären Syndrom des alten Hundes, das ähnlich aussieht, harmloser ist und sich meist von selbst bessert. Die Abgrenzung gelingt nur tierärztlich, häufig erst mit Bildgebung.

Physiotherapie kommt hier immer erst nach der Akutphase, dann aber mit einer klaren Aufgabe: die verlorene Ansteuerung wieder üben, solange das Gehirn umlernfähig ist.

K

Kiefergelenk und Zahnfehlstellungen

Das Kiefergelenk ist über Kaumuskulatur und Zungenbein eng mit der Halsmuskulatur verbunden – Probleme dort bleiben deshalb selten auf den Kopf beschränkt.

Der Hund kaut mehrmals täglich, trägt, zerrt und hechelt. Entsprechend viel arbeitet die Kaumuskulatur. Sie ist über das Zungenbein mit der Muskulatur an Hals und Brustbein verbunden – eine Kette, die bis in die Vorderhand reicht.

Eine Zahnfehlstellung oder ein schmerzender Zahn führen dazu, dass der Hund einseitig kaut. Über Wochen entsteht daraus ein Ungleichgewicht in der Kaumuskulatur, das sich auf die Halshaltung überträgt. Umgekehrt kann eine dauerhaft schiefe Kopfhaltung – etwa nach einer Verletzung – die Kaubewegung verändern.

Worauf du achten kannst: Kaut dein Hund auffällig einseitig? Lässt er hartes Futter oder Kauartikel plötzlich liegen? Mag er sich am Kopf nicht mehr anfassen lassen? Reibt er sich häufig die Wange?

Klare Abgrenzung: Zähne und Zahnfehlstellungen gehören ausschließlich in die Tierarztpraxis, im Zweifel zu einer Fachperson für Zahnheilkunde. Ich behandle keine Zähne. Was physiotherapeutisch dazukommen kann, ist die Arbeit an der verspannten Kau- und Halsmuskulatur – aber erst, wenn die Ursache im Maul geklärt ist.

Knuckling (Überköten)

Knuckling heißt, dass ein Hund die Pfote nicht richtig aufsetzt, sondern über den Pfotenrücken abrollt oder darauf stehen bleibt.

Es ist eines der Zeichen, die Halterinnen am häufigsten selbst bemerken – oft zuerst an abgeschliffenen Krallen an nur einer Pfote oder an aufgescheuerter Haut auf der Pfotenoberseite.

Dahinter steckt fast immer eine gestörte Tiefensensibilität: Der Hund spürt nicht zuverlässig, wie seine Pfote steht, und korrigiert sie deshalb nicht. Häufige Ursachen sind Bandscheibenerkrankungen, die degenerative Myelopathie und andere neurologische Störungen.

Ein einmaliges Umknicken auf glattem Boden ist kein Befund. Wiederholtes Überköten dagegen gehört abgeklärt – und zwar zeitnah, weil die Ursache behandelbar sein kann.

Bis dahin hilft Praktisches: rutschfeste Unterlagen, kurze Runden auf griffigem Untergrund statt langer auf Asphalt, und ein Blick auf die Pfotenoberseite, damit aus dem Schleifen keine offene Stelle wird.

L

Lahmheit

Lahmheit ist ein gestörter Bewegungsablauf, bei dem ein Bein anders belastet oder geführt wird als die übrigen – meistens, weil es wehtut.

Die Tiermedizin unterscheidet zwei Grundformen. Bei der Stützbeinlahmheit tut das Auffußen weh: Der Hund verkürzt die Standphase und nimmt das Bein schnell wieder hoch. Bei der Hangbeinlahmheit ist das Vorführen gestört – das Bein wird schleppend oder verkürzt nach vorn gebracht. Oft kommt beides zusammen vor.

Ein verlässliches Erkennungszeichen an der Vorderhand ist das Kopfnicken: Der Kopf hebt sich, wenn das schmerzende Bein auffußt, und senkt sich über dem gesunden. An der Hinterhand ist es das Absinken oder Anheben der Kruppe.

Häufig unterschätzt: Eine Lahmheit muss nicht sichtbar hinken. Ein leicht verkürzter Schritt, eine veränderte Spurbreite oder ein Hund, der beim Traben in den Passgang wechselt, sind ebenfalls Lahmheitszeichen – und genau danach schaue ich in der Ganganalyse.

Neue Lahmheit gehört tierärztlich abgeklärt, bevor behandelt wird. Was dahintersteckt, reicht von einem Splitter im Ballen bis zum Kreuzbandriss.

Luxation und Fraktur

Eine Luxation ist ein aus seiner Führung gesprungenes Gelenk, eine Fraktur ein gebrochener Knochen – beides sind akute Notfälle.

Bei der Luxation verlassen die Gelenkflächen ihre normale Stellung. Springt das Gelenk von selbst wieder zurück, spricht man von einer Subluxation – typisch bei der Patellaluxation, wo die Kniescheibe kurz aus ihrer Rinne rutscht und der Hund für ein paar Schritte hüpft, danach aber normal weiterläuft.

Eine Fraktur entsteht meist durch Unfall oder Sturz. Anzeichen sind eine plötzlich nicht mehr belastete Gliedmaße, eine erkennbare Fehlstellung, Schwellung und deutlicher Schmerz.

Beides gehört sofort in die Tierarztpraxis – ohne Umweg. Bitte nichts selbst einrenken und nichts schienen: Ohne Röntgenbild ist nicht zu erkennen, ob zusätzlich Knochen beteiligt sind, und ein Versuch kann Nerven oder Gefäße schädigen. Halte den Hund ruhig und transportiere ihn möglichst erschütterungsarm.

Physiotherapie kommt erst danach ins Spiel, nach ärztlicher Freigabe – und dann ist sie wichtig. Nach Ruhigstellung baut Muskulatur schnell ab, Gelenke verlieren Bewegungsumfang, und die Gegenseite hat wochenlang doppelt getragen. Genau das aufzuholen ist die Aufgabe der Reha.

M

Muskuläre Dysbalance

Eine muskuläre Dysbalance ist ein Ungleichgewicht zwischen Muskelgruppen, bei dem die eine Seite zu viel und die andere zu wenig arbeitet.

Sie entsteht fast immer als Folge, nicht als Ursache. Ein Hund, dem ein Bein wehtut, verlagert Gewicht auf die anderen drei. Das ist kurzfristig sinnvoll – der Körper schützt die verletzte Stelle. Wird daraus ein Dauerzustand, verändert sich die Muskulatur messbar: Die entlastete Seite baut ab, die überarbeitete wird fester und verspannt.

Das Tückische ist, dass die Beschwerden am Ende oft dort auftreten, wo das Problem gar nicht sitzt. Ein Hund mit einer schmerzenden linken Hüfte kommt mit Verspannungen im rechten Schultergürtel – weil er sich seit Monaten dorthin abstützt.

Erkennen kannst du eine Dysbalance im Seitenvergleich. Fahre mit beiden Händen gleichzeitig über die Oberschenkel deines Hundes, während er steht. Fühlt sich eine Seite deutlich voller an, ist das ein Befund, den man anfassen kann. Genauso am Schultergürtel und entlang der Rückenmuskulatur.

Deshalb wird in der Physiotherapie nie nur die auffällige Stelle behandelt: Die überlastete Gegenseite braucht Entlastung, die geschwächte Seite gezielten Aufbau. Beides zusammen, sonst kippt es wieder.

N

Neurologie

Neurologie ist das Fachgebiet für Gehirn, Rückenmark und Nerven – also für die Steuerung der Bewegung, nicht für die Bewegungsteile selbst.

Im Befund steht „neurologisch" fast immer zur Abgrenzung gegen „orthopädisch". Das ist die erste Weiche, die eine Tierarztpraxis stellt, und sie entscheidet über alles Weitere.

Der Unterschied lässt sich in einem Satz sagen: Bei einem orthopädischen Problem kann der Hund nicht richtig, weil es wehtut. Bei einem neurologischen trifft er nicht, wohin er will – die Kraft ist oft da, die Steuerung nicht.

Typische Zeichen sind schleifende Pfoten, Überköten, ein staksiger oder schwankender Gang und ein auffällig breitbeiniger Stand. Schmerz kann dabei fehlen, und genau das führt oft dazu, dass zu lange gewartet wird.

Neurologische Zeichen gehören zuerst in die Tierarztpraxis, bei plötzlichem Beginn noch am selben Tag. Physiotherapie kommt danach – dann aber zügig, weil Muskulatur schnell abbaut.

O

Orthopädie

Orthopädie ist das Fachgebiet für Knochen, Gelenke, Muskeln, Sehnen und Bänder – also für alles, was den Hund trägt und bewegt.

In Befunden steht „orthopädisch" meist zur Abgrenzung gegen „neurologisch". Das ist die erste Weiche, die eine Tierarztpraxis stellt: Kommt die Bewegungsstörung aus dem Bewegungsapparat oder aus dem Nervensystem?

Die Unterscheidung ist nicht akademisch. Ein Hund, der aus Schmerz ein Bein entlastet, braucht etwas anderes als einer, der es nicht mehr richtig ansteuern kann – und beides sieht auf den ersten Blick ähnlich aus.

In der Praxis überschneidet sich das häufiger, als die Trennung vermuten lässt: Ein neurologisches Problem führt über Ausweichbewegungen schnell zu orthopädischen Folgen, und umgekehrt.

Osteochondrose (OCD)

Bei der Osteochondrose verknöchert Gelenkknorpel beim wachsenden Hund fehlerhaft, wodurch sich ein Knorpelstück ablösen kann.

Löst sich das Stück vollständig, schwimmt es als sogenannte Gelenkmaus im Gelenk und reizt es fortlaufend. Betroffen sind meist Schulter, Ellenbogen, Knie oder Sprunggelenk großwüchsiger Rassen im ersten Lebensjahr.

Wachstumsgeschwindigkeit, Fütterung und Belastung spielen bei der Entstehung eine Rolle – deshalb überschneidet sich das Thema mit den Skelettentwicklungsstörungen.

P

Parese und Plegie

Parese ist eine teilweise Lähmung mit erhaltener Restbewegung, Plegie die vollständige – bei beiden sagt die Vorsilbe, welche Beine betroffen sind.

Die Vorsilben sind schnell erklärt. Para- meint die beiden Hinterbeine, Tetra- alle vier. Eine *Paraparese* ist also eine teilweise Lähmung der Hinterhand, eine *Tetraplegie* der vollständige Ausfall aller vier Beine.

Der Unterschied zwischen Parese und Plegie ist für die Einschätzung wichtiger, als er klingt: Solange noch willkürliche Bewegung da ist, gibt es etwas, worauf sich aufbauen lässt.

Abzugrenzen ist beides von der Ataxie: Dort ist die Kraft vorhanden und nur die Steuerung gestört. Ein ataktischer Hund trifft nicht, wohin er will – ein paretischer schafft die Bewegung nicht.

Neu aufgetretene Lähmungserscheinungen sind ein Fall für die Tierarztpraxis, nicht für mich. Physiotherapie kommt danach – und hat dann viel zu tun: Muskulatur erhalten, Gelenke beweglich halten, Ansteuerung üben, Druckstellen vermeiden.

R

Rehabilitation

Rehabilitation ist der Zeitraum zwischen Operation oder Verletzung und dem Punkt, an dem der Hund seinen Alltag wieder trägt.

Sie ist kein Krankheitsbild, sondern eine Phase – und wie lange sie dauert, hängt weniger vom Eingriff ab als davon, was in den Wochen danach passiert.

Der häufigste Irrtum ist, Ruhe sei die Therapie. Ruhe ist am Anfang nötig, aber Muskulatur baut schneller ab, als die meisten annehmen. Ein Bein, das vier Wochen nicht belastet wurde, ist danach nicht nur schwach, sondern aus dem Bewegungsablauf herausgefallen – der Hund läuft dreibeinig weiter, obwohl er längst wieder auftreten könnte.

Grob verläuft eine Reha in vier Abschnitten: Schutz, Wiederbelastung, Aufbau, Rückkehr in den Alltag. Die Übergänge sind fließend, und der Zeitplan gehört immer zur tierärztlichen Freigabe.

S

Schlaganfall

Was Halter beim Hund als Schlaganfall beschreiben, ist meist keiner – in den allermeisten Fällen steckt ein vestibuläres Syndrom oder eine Gefäßverstopfung im Rückenmark dahinter.

Echte Schlaganfälle im Gehirn kommen beim Hund vor, sind aber selten. Zwei andere Bilder sehen ihnen zum Verwechseln ähnlich – und die Unterscheidung ändert alles.

Das geriatrische Vestibularsyndrom trifft ältere Hunde meist über Nacht. Der Kopf kippt zur Seite, die Augen zittern, der Hund torkelt oder rollt sich, viele erbrechen. Das sieht dramatisch aus und erschreckt zu Recht – bessert sich aber häufig innerhalb von Tagen bis Wochen deutlich, oft mit einer bleibenden leichten Kopfschiefhaltung.

Die fibrokartilaginöse Embolie (FCE) entsteht, wenn Bandscheibenmaterial in ein Blutgefäß des Rückenmarks gerät. Typisch ist der Verlauf: Es passiert schlagartig, meist beim Spielen oder Toben, der Hund schreit kurz auf – und danach fällt eine Körperseite oder die Hinterhand aus. Schmerzhaft ist es nach dem ersten Moment kaum noch, und es schreitet nicht weiter fort.

In jedem Fall sofort in die Tierarztpraxis. Nur dort lässt sich abgrenzen, was vorliegt, und andere Ursachen ausschließen.

Für die Zeit danach ist Physiotherapie einer der wichtigsten Bausteine: Bei FCE geht es darum, ausgefallene Bahnen wieder anzusprechen und Muskulatur zu erhalten, beim Vestibularsyndrom um Gleichgewicht und sicheren Stand. In beiden Fällen zählt ein früher Beginn – nach ärztlicher Freigabe.

Sensibilität und Sensorik

Sensibilität beschreibt, welche Reize von der Haut, den Muskeln und Gelenken beim Hund überhaupt ankommen – und wie zuverlässig sie ans Gehirn weitergeleitet werden.

Unterschieden wird grob in zwei Ebenen. Die Oberflächensensibilität meldet Berührung, Temperatur und Schmerz von der Haut. Die Tiefensensibilität kommt aus Muskeln, Sehnen und Gelenken und ist eng mit der Propriozeption verwandt.

In der Tiermedizin ist besonders die tiefe Schmerzempfindung ein wichtiger Prüfpunkt: Ob ein gelähmter Hund an der Pfote noch Schmerz wahrnimmt, gehört zu den Angaben, die über Behandlungsentscheidungen und Aussichten mitbestimmen. Diese Prüfung gehört in die Tierarztpraxis – sie ist nicht etwas, das man zuhause ausprobiert.

Woran du Veränderungen bemerkst: Der Hund reagiert nicht mehr, wenn eine Pfote umgeknickt liegt. Er merkt nicht, dass er auf etwas Kaltes oder Spitzes tritt. Oder umgekehrt – er reagiert übermäßig empfindlich auf leichte Berührung an einer bestimmten Stelle.

In der Begleitung spielt Sensorik dort eine Rolle, wo gezielt Reize gesetzt werden: verschiedene Untergründe, Bürstenstriche, Temperaturwechsel. Nicht als Selbstzweck, sondern um Bahnen anzusprechen, die zu wenig genutzt werden.

Skelettentwicklungsstörungen

Skelettentwicklungsstörungen sind Erkrankungen des wachsenden Skeletts, die im ersten Lebensjahr auftreten und die spätere Gelenkgesundheit prägen.

Dazu zählen unter anderem Hüft- und Ellenbogendysplasie, die Osteochondrose, die Panostitis (eine schmerzhafte Entzündung im Röhrenknochen mit wandernder Lahmheit) und die hypertrophe Osteodystrophie mit geschwollenen, heißen Gelenkbereichen und Fieber.

Beeinflusst wird das Ganze von drei Dingen: der genetischen Veranlagung, der Wachstumsgeschwindigkeit und der Belastung. Besonders bei großwüchsigen Rassen gilt zu schnelles Wachstum als ungünstig – ein energiereiches Futter, das den Hund schneller groß werden lässt, hilft dem Skelett nicht.

Zur Belastung im ersten Jahr: Die Wachstumsfugen sind noch offen und empfindlich. Deshalb raten Fachleute in dieser Zeit von langen gleichförmigen Strecken, Treppen in großem Umfang, Radfahren am Hund und Sprüngen aus der Höhe ab. Freies Spielen auf weichem Untergrund ist dagegen unproblematisch – der Junghund reguliert sich dabei selbst.

Auffällig wird es meist durch eine Lahmheit, die kommt und geht, manchmal sogar die Gliedmaße wechselt. Das gehört tierärztlich abgeklärt, weil sich die Bilder ohne Röntgen nicht auseinanderhalten lassen.

Physiotherapeutisch geht es beim Junghund nie um Muskelaufbau im sportlichen Sinn, sondern um Schmerzlinderung, Erhalt der Beweglichkeit und eine Belastungsberatung, die zum Wachstumsstand passt.

Stresspunkt

Ein Stresspunkt ist eine überreizte Stelle im Muskel, die sich als tastbare Verhärtung zeigt und auf Druck empfindlich reagiert.

Er entsteht dort, wo ein Muskelbereich dauerhaft mehr leisten muss als vorgesehen – bei Fehlbelastung, nach Überanstrengung oder als Folge einer Schonhaltung. Ein Teil der Muskelfasern bleibt angespannt, statt zwischen Anspannung und Entspannung zu wechseln. Die Durchblutung an dieser Stelle sinkt, Stoffwechselprodukte bleiben liegen, und das Gewebe wird empfindlich.

Unter den Fingern fühlt sich das an wie ein festerer Strang oder ein kleiner Knoten im sonst weichen Muskel. Drückt man darauf, reagiert der Hund oft deutlich: Er dreht den Kopf hin, zuckt mit der Haut oder weicht aus.

Typische Orte beim Hund sind der Schultergürtel, die Muskulatur seitlich der Lendenwirbelsäule und die Oberschenkelmuskulatur. Also genau die Bereiche, die bei Ausweichbewegungen mehr arbeiten.

Wichtig zur Einordnung: Ein Stresspunkt ist meist ein Symptom, nicht die Wurzel. Ihn zu lösen bringt Erleichterung – aber wenn die Ursache bleibt, kommt er wieder. Deshalb gehört zur Behandlung immer die Frage, warum diese Stelle überhaupt zu viel arbeiten musste.

V

Vertebra / Vertebrae

Vertebra ist der lateinische Name für einen Wirbel, Vertebrae die Mehrzahl – die Knochen, aus denen die Wirbelsäule besteht.

In Befunden werden sie abgekürzt und durchnummeriert, jeweils von vorn nach hinten. C steht für die Halswirbel (*cervical*, sieben Stück), T oder Th für die Brustwirbel (*thoracal*, dreizehn), L für die Lendenwirbel (*lumbal*, sieben), S für das Kreuzbein (*sacral*).

„Bandscheibenvorfall T13/L1" heißt also: zwischen dem letzten Brust- und dem ersten Lendenwirbel. Genau dieser Übergang ist eine der häufigsten Stellen überhaupt.

Nützlich ist die Kenntnis vor allem, um die Höhe einzuordnen: Je weiter vorn die Stelle liegt, desto mehr Körper liegt dahinter, der betroffen sein kann.

W

Wobbler-Syndrom

Das Wobbler-Syndrom ist eine Einengung des Rückenmarks im Halsbereich, die zu einem unsicheren, wackeligen Gang führt – vor allem der Hinterhand.

Der Name kommt vom englischen *to wobble*, wackeln. Betroffen sind überwiegend große Rassen: Dobermann und Deutsche Dogge sind die bekanntesten Beispiele, wobei sich die Verlaufsformen zwischen ihnen unterscheiden.

Das verwirrende an der Erkrankung: Die Ursache sitzt am Hals, die auffälligsten Zeichen zeigen sich an der Hinterhand. Der Grund liegt in der Anordnung der Nervenbahnen im Rückenmark – die für die Hinterhand zuständigen liegen weiter außen und werden bei einer Einengung zuerst gedrückt. Die Vorderhand wirkt dann oft nur steif und kurzschrittig.

Der Fachbegriff lautet zervikale Spondylomyelopathie. Ob operiert wird oder konservativ behandelt, hängt vom Befund und vom Verlauf ab.

Z

Zwerchfell

Das Zwerchfell ist die kuppelförmige Muskelplatte zwischen Brust- und Bauchraum und der wichtigste Atemmuskel des Hundes.

Beim Einatmen zieht es sich zusammen und flacht ab – dadurch entsteht im Brustraum Unterdruck und Luft strömt ein. Beim Ausatmen entspannt es sich wieder. Das passiert etwa fünfzehn bis dreißig Mal in der Minute, ein Leben lang.

Für die Physiotherapie ist es aus einem zweiten Grund interessant: Das Zwerchfell setzt an den unteren Rippen und an der Lendenwirbelsäule an. Es ist damit nicht nur Atemmuskel, sondern auch Teil der Rumpfstabilität – und über die Wirbelsäule direkt mit der Rückenmuskulatur verbunden.

Das erklärt Zusammenhänge, die auf den ersten Blick keine sind. Ein Hund, der wegen Schmerzen flach und schnell atmet, nutzt sein Zwerchfell weniger. Umgekehrt kann eine verspannte Lendenregion die Zwerchfellbewegung einschränken. Und ein Hund mit chronischer Atemwegserkrankung arbeitet dauerhaft mit der Atemhilfsmuskulatur an Hals und Brust, die dafür nicht gemacht ist – dort entstehen dann Verspannungen.

In der Behandlung geht es entsprechend selten um das Zwerchfell allein, sondern um den Brustkorb: seine Beweglichkeit erhalten, die Hilfsmuskulatur entlasten, das Abhusten erleichtern.

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