Auch bekannt als: Apoplex · FCE · Fibrokartilaginöse Embolie · Vestibularsyndrom · Geriatrisches Vestibularsyndrom · Drehschwindel
Typische Anzeichen
Erkennst du deinen Hund hier wieder? Diese Beobachtungen kommen bei diesem Krankheitsbild häufig vor – sie ersetzen keine Diagnose, helfen dir aber im Gespräch mit der Tierarztpraxis.
- Plötzliche Kopfschiefhaltung
- Zitternde Augenbewegungen (Nystagmus)
- Torkeln oder Rollen zu einer Seite
- Erbrechen und Übelkeit
- Schlagartiger Ausfall einer Körperseite oder der Hinterhand
- Kurzer Schmerzschrei im Moment des Auftretens
Echte Schlaganfälle im Gehirn kommen beim Hund vor, sind aber selten. Zwei andere Bilder sehen ihnen zum Verwechseln ähnlich – und weil Verlauf und Aussichten sich stark unterscheiden, lohnt es sich, sie auseinanderzuhalten.
Das geriatrische Vestibularsyndrom
Es trifft ältere Hunde meist über Nacht. Am Morgen kippt der Kopf zur Seite, die Augen zittern rhythmisch, der Hund torkelt, rollt sich oder kommt gar nicht mehr hoch. Viele erbrechen, weil ihnen schwindelig ist.
Das sieht dramatisch aus, und viele Halter denken im ersten Moment ans Einschläfern. Tatsächlich bessert es sich häufig deutlich innerhalb von Tagen bis Wochen. Was oft bleibt, ist eine leichte Kopfschiefhaltung – die den Hund selbst meist nicht stört.
Der Name sagt schon, dass die Ursache oft unklar bleibt: „idiopathisch“, also ohne fassbaren Auslöser. Ausgeschlossen werden müssen aber Mittelohrentzündungen und andere Erkrankungen, die dasselbe Bild machen.
Die fibrokartilaginöse Embolie (FCE)
Hier gerät Bandscheibenmaterial in ein Blutgefäß des Rückenmarks und verstopft es. Der Verlauf ist charakteristisch:
Es passiert schlagartig, meist beim Spielen, Toben oder Springen. Der Hund schreit kurz auf – und danach fällt eine Körperseite oder die Hinterhand aus. Nach diesem ersten Moment ist es kaum noch schmerzhaft, und es schreitet nicht weiter fort.
Genau diese Kombination – plötzlich, einmalig schmerzhaft, danach schmerzarm, nicht fortschreitend, oft einseitig – unterscheidet die FCE vom Bandscheibenvorfall, bei dem der Schmerz bleibt und sich das Bild verschlechtern kann.
Was sofort zu tun ist
In jedem Fall unverzüglich in die Tierarztpraxis. Nur dort lässt sich abgrenzen, was vorliegt, und es lassen sich andere Ursachen ausschließen – von der Ohrentzündung bis zu Erkrankungen, die dringend behandelt werden müssen.
Halte deinen Hund bis dahin ruhig und sichere ihn vor Stürzen. Bei Schwindel nicht zum Fressen oder Trinken drängen.
Die Zeit danach
Bei beiden Bildern ist Physiotherapie einer der wichtigsten Bausteine – und ein früher Beginn nach ärztlicher Freigabe zählt.
Bei der FCE geht es darum, Bahnen wieder anzusprechen, die noch funktionieren, und Muskulatur zu erhalten, solange die Gliedmaße nicht willkürlich bewegt wird. Passive Mobilisierung hält Gelenke beweglich, sensorisches Training arbeitet an der Wahrnehmung, später kommt aktive Bewegungstherapie dazu.
Beim Vestibularsyndrom stehen Gleichgewicht und sicherer Stand im Vordergrund, dazu die Entlastung der Muskulatur, die durch die Schiefhaltung überarbeitet.
Was erreichbar ist, hängt vom Befund ab. Bei der FCE gilt als günstiges Zeichen, wenn die tiefe Schmerzempfindung erhalten ist – das beurteilt die Tierarztpraxis.
Bild folgt
Älterer Hund liegt mit leicht schräg gehaltenem Kopf auf einer Decke, Halterin sitzt ruhig daneben
Im Glossar nachschlagen
Diese Begriffe tauchen bei diesem Krankheitsbild in Befunden und Therapieplänen auf. Im Glossar stehen sie ausführlich.
- Intrakranieller Infarkt Ein intrakranieller Infarkt ist ein Gefäßverschluss im Gehirn – der Bereich dahinter wird nicht mehr durchblutet und fällt aus.
- Schlaganfall Was Halter beim Hund als Schlaganfall beschreiben, ist meist keiner – in den allermeisten Fällen steckt ein vestibuläres Syndrom oder eine Gefäßverstopfung im Rückenmark dahinter.