Auch bekannt als: Diskusprolaps · IVDD (Intervertebral Disc Disease) · Thorakolumbaler Bandscheibenvorfall · Bandscheibenvorfall Brust- und Lendenwirbelsäule · Diskopathie · Dackellähme
Typische Anzeichen
Erkennst du deinen Hund hier wieder? Diese Beobachtungen kommen bei diesem Krankheitsbild häufig vor – sie ersetzen keine Diagnose, helfen dir aber im Gespräch mit der Tierarztpraxis.
- Plötzlicher Schmerzlaut ohne erkennbaren Anlass
- Aufgekrümmter Rücken, angespannte Bauchdecke
- Zögern beim Springen, Treppen werden vermieden
- Schwankender, unsicherer Gang der Hinterhand
- Schleifende Pfoten, Krallen nutzen sich einseitig ab
- Teilweise oder vollständige Lähmung
Zwischen den Wirbeln liegen Bandscheiben – Polster aus einem festen Faserring mit weichem Kern. Verändert sich dieser Aufbau, kann Material in den Wirbelkanal vordringen und auf das Rückenmark drücken. Wie stark die Folgen sind, hängt davon ab, wie viel Druck entsteht und wie schnell.
Diese Seite beschreibt den thorakolumbalen Vorfall – den im Bereich von Brust- und Lendenwirbelsäule. Das ist der mit Abstand häufigste, und es ist das Bild, das die meisten vor Augen haben: Probleme mit der Hinterhand. Sitzt der Vorfall dagegen am Hals, sieht alles anders aus; dazu gibt es eine eigene Seite zum zervikalen Bandscheibenvorfall.
Zwei sehr unterschiedliche Verläufe
Bei manchen Hunden geschieht das schlagartig: Der Hund schreit auf, will sich nicht mehr bewegen, und innerhalb von Stunden verschlechtert sich der Gang. Betroffen sind vor allem Rassen mit langem Rücken und kurzen Beinen – Dackel, Französische Bulldoggen, Beagle, Cocker Spaniel.
Bei anderen entwickelt es sich über Wochen: Die Hinterhand wird zunehmend unsicher, der Hund schwankt, die Pfoten schleifen leicht über den Boden. Hier fällt oft zuerst auf, dass sich die Krallen an einer Seite ungleichmäßig abnutzen.
Notfall erkennen: Wenn dein Hund die Hinterhand plötzlich nicht mehr belasten kann, keine Blase mehr kontrolliert oder auf einen Zwick zwischen die Zehen nicht mehr reagiert, ist das ein tierärztlicher Notfall. Nicht abwarten, nicht erst hier lesen – sofort in die Praxis oder Klinik.
Warum Zeit hier so viel ausmacht
Nervengewebe erholt sich langsam und nicht unbegrenzt. Je länger anhaltender Druck besteht, desto schwieriger wird die Erholung. Deshalb entscheidet die tierärztliche Versorgung – konservativ mit strikter Ruhe und Medikation oder operativ – maßgeblich über den weiteren Weg.
Die Physiotherapie kommt danach ins Spiel, und dann ist sie ein zentraler Teil der Genesung.
Wie die Begleitung aussieht
Ein Hund mit neurologischen Ausfällen muss Bewegung teilweise neu lernen. Die Muskeln sind da, aber die Ansteuerung funktioniert nicht mehr zuverlässig. Genau daran arbeiten wir.
In der frühen Phase geht es um Lagerung, vorsichtige passive Bewegung der Gelenke, damit sie nicht einsteifen, und um die Muskulatur, die durch die Schonhaltung verspannt ist. Reize, die dem Hund helfen, seine Pfoten wieder wahrzunehmen, gehören von Anfang an dazu.
Später kommt aktives Training: gezieltes Umsetzen von Pfoten, Gewichtsverlagerung, langsames kontrolliertes Gehen über wechselnde Untergründe. Gerätetraining mit Stangen und instabilen Flächen fordert genau die Koordination, die wieder aufgebaut werden muss.
Das ist Arbeit über Wochen bis Monate. Fortschritte kommen in kleinen Schritten, und manchmal gibt es Phasen ohne sichtbare Veränderung.
Was du selbst tun kannst
- Ruhe wirklich einhalten. In der Akutphase ist Bewegungseinschränkung Therapie, nicht Strafe.
- Rutschfeste Wege schaffen. Für einen Hund mit unsicherer Hinterhand ist Laminat eine echte Gefahr.
- Treppen und Sprünge ausschließen. Auch später dauerhaft, nicht nur in der Heilungsphase.
- Beobachten und notieren. Wann schleift die Pfote, wann nicht? Solche Beobachtungen helfen mir sehr.
- Ein Geschirr statt Halsband nutzen, das den Rücken nicht belastet.
Wichtig
Bei Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall gilt: erst Tierarzt, dann alles Weitere. Ich arbeite ausschließlich auf Basis der gestellten Diagnose und stimme mich bei neurologischen Fällen gerne mit der behandelnden Praxis ab.
Bild folgt
Dackel steht aufmerksam auf einer Wiese, Seitenansicht mit gerader Rückenlinie, sanftes Licht
Im Glossar nachschlagen
Diese Begriffe tauchen bei diesem Krankheitsbild in Befunden und Therapieplänen auf. Im Glossar stehen sie ausführlich.
- Ataxie Ataxie bezeichnet einen unkoordinierten Bewegungsablauf, bei dem die Kraft erhalten ist, aber die Steuerung nicht mehr stimmt.
- Bandscheibenerkrankungen Bandscheibenvorfälle betreffen beim Hund nicht nur die Lende – an Hals und Brustwirbelsäule zeigen sie sich mit deutlich anderen Anzeichen.
- Bildgebung (Röntgen, CT, MRT) Bildgebung sind die Verfahren, mit denen die Tiermedizin ins Innere schaut – vom Röntgenbild bis zum MRT.
- Chondrodystrophie Chondrodystrophie bezeichnet den erblich kurzbeinigen Körperbau, bei dem die langen Knochen früher aufhören zu wachsen als bei anderen Hunden.
- Extrusion und Protrusion Extrusion und Protrusion sind die zwei Arten, auf die eine Bandscheibe auf das Rückenmark drücken kann – plötzlich ausgetreten oder langsam vorgewölbt.
- Flexorreflex Der Flexorreflex ist der Beugereflex: Auf einen Reiz an der Pfote zieht der Hund das Bein an – ohne dass er darüber nachdenkt.
- Knuckling (Überköten) Knuckling heißt, dass ein Hund die Pfote nicht richtig aufsetzt, sondern über den Pfotenrücken abrollt oder darauf stehen bleibt.
- Parese und Plegie Parese ist eine teilweise Lähmung mit erhaltener Restbewegung, Plegie die vollständige – bei beiden sagt die Vorsilbe, welche Beine betroffen sind.
- Sensibilität und Sensorik Sensibilität beschreibt, welche Reize von der Haut, den Muskeln und Gelenken beim Hund überhaupt ankommen – und wie zuverlässig sie ans Gehirn weitergeleitet werden.
- Vertebra / Vertebrae Vertebra ist der lateinische Name für einen Wirbel, Vertebrae die Mehrzahl – die Knochen, aus denen die Wirbelsäule besteht.