Auch bekannt als: Ataktischer Gang · Koordinationsstörung · Bewegungsstörung · Gleichgewichtsstörung
Typische Anzeichen
Erkennst du deinen Hund hier wieder? Diese Beobachtungen kommen bei diesem Krankheitsbild häufig vor – sie ersetzen keine Diagnose, helfen dir aber im Gespräch mit der Tierarztpraxis.
- Schwankender, torkelnder Gang wie bei Trunkenheit
- Auffällig breitbeiniger Stand
- Übertreten oder Kreuzen der Beine beim Gehen
- Pfoten werden verkehrt herum aufgesetzt
- Kopfschiefhaltung oder zitternde Augen
- Unsicherheit besonders auf glattem Boden
Ataxie heißt: Die Bewegung ist nicht mehr genau. Der Unterschied zur Lähmung ist entscheidend – ein ataktischer Hund kann sein Bein bewegen, er steuert es nur nicht mehr präzise.
Woran du es erkennst
Am auffälligsten ist der Gang: schwankend, wie bei einem Betrunkenen. Dazu kommen Übertreten, gekreuzte Beine und ein ungewöhnlich breiter Stand – der Hund vergrößert seine Standfläche, um nicht umzufallen.
Ein besonders aussagekräftiges Zeichen ist die verkehrt aufgesetzte Pfote: Der Hund knickt die Pfote um und merkt es nicht sofort. Gesunde Hunde korrigieren das binnen Sekundenbruchteilen.
Die drei Formen
Die Tiermedizin unterscheidet nach dem Ort der Störung, und die Unterscheidung ändert Prognose und Vorgehen.
Propriozeptive Ataxie. Die Rückmeldung aus den Gliedmaßen kommt nicht sauber im Rückenmark an. Typisch nach Bandscheibenvorfällen, beim Wobbler-Syndrom und beim Cauda-Equina-Syndrom. Die Pfoten schleifen, die Krallen nutzen sich vorne ab.
Vestibuläre Ataxie. Das Gleichgewichtsorgan ist betroffen. Kennzeichen sind Kopfschiefhaltung, zitternde Augen und ein Torkeln oder Rollen zu einer Seite. Häufig beim älteren Hund als geriatrisches Vestibularsyndrom.
Zerebelläre Ataxie. Das Kleinhirn steuert die Feinabstimmung. Fällt sie aus, werden Bewegungen überschießend und staksig – der Hund hebt die Beine zu hoch, als würde er durch tiefen Schnee laufen.
Was jetzt zu tun ist
Ataxie ist ein Symptom, keine Diagnose. Die Ursachen reichen von einer Ohrentzündung über Bandscheibenerkrankungen bis zu Vergiftungen und Tumoren.
Wenn dein Hund plötzlich schwankt, gehört das zeitnah in die Tierarztpraxis – bei akutem Beginn noch am selben Tag. Nimm nach Möglichkeit ein kurzes Video vom Gangbild mit; in der fremden Praxisumgebung zeigen viele Hunde weniger, als sie zuhause zeigen.
Wie ich begleite
Nach der Abklärung und mit ärztlicher Freigabe geht es darum, die Ansteuerung wieder zu üben. Das ist kein Krafttraining – ein ataktischer Hund hat meist genug Kraft.
Im Vordergrund stehen sensorisches Training mit wechselnden Untergründen, sehr langsames bewusstes Gehen und kontrollierte Übungen über niedrige Hindernisse. Bei vestibulärer Ataxie kommt gezielte Gleichgewichtsarbeit dazu.
Wichtig ist der Alltag: Rutschmatten auf allen Wegen, weil ein ataktischer Hund auf glattem Boden nicht nur unsicher, sondern gefährdet ist.
Was sich im Einzelfall erreichen lässt, hängt vollständig von der Ursache ab. Bei einer vorübergehenden Störung kann sich vieles zurückbilden, bei fortschreitenden Erkrankungen geht es um Erhalt und Sicherheit.
Bild folgt
Hund steht breitbeinig und konzentriert auf einer Wiese, Halterin stützt ihn leicht seitlich
Im Glossar nachschlagen
Diese Begriffe tauchen bei diesem Krankheitsbild in Befunden und Therapieplänen auf. Im Glossar stehen sie ausführlich.
- Ataxie Ataxie bezeichnet einen unkoordinierten Bewegungsablauf, bei dem die Kraft erhalten ist, aber die Steuerung nicht mehr stimmt.
- Degenerative Myelopathie (DM) Die degenerative Myelopathie ist eine langsam fortschreitende Erkrankung des Rückenmarks, die schmerzlos beginnt und die Hinterhand zunehmend unsicher macht.
- Hypermetrie Hypermetrie beschreibt einen Gang, bei dem die Beine höher und weiter angehoben werden als nötig – die Bewegung schießt über ihr Ziel hinaus.
- Intrakranieller Infarkt Ein intrakranieller Infarkt ist ein Gefäßverschluss im Gehirn – der Bereich dahinter wird nicht mehr durchblutet und fällt aus.
- Knuckling (Überköten) Knuckling heißt, dass ein Hund die Pfote nicht richtig aufsetzt, sondern über den Pfotenrücken abrollt oder darauf stehen bleibt.
- Neurologie Neurologie ist das Fachgebiet für Gehirn, Rückenmark und Nerven – also für die Steuerung der Bewegung, nicht für die Bewegungsteile selbst.
- Parese und Plegie Parese ist eine teilweise Lähmung mit erhaltener Restbewegung, Plegie die vollständige – bei beiden sagt die Vorsilbe, welche Beine betroffen sind.
- Wobbler-Syndrom Das Wobbler-Syndrom ist eine Einengung des Rückenmarks im Halsbereich, die zu einem unsicheren, wackeligen Gang führt – vor allem der Hinterhand.